Zum Ende der Haltungsserie “Lindenstrasse”

Zum Ende der Haltungsserie "Lindenstrasse"

Hölzerne Dialoge, durchschaubare Kulissen, gefangene Schauspieler. Die “Lindenstrasse” gehörte zwar noch ein bisschen zu den Kinderheitserinnerungen, allerdings zu den eher negativen. Das es nun damit zu Ende gehen will, tut nicht wirklich weh.

Der Serie weine ich keiner Träne nach. Das “sozialdemokratische Erziehungstheater”, wie es die damalige Darstellerin und heutige taz-Redakteurin Susanne Memarnia auf den Punkt bringt, lief viel zu lange. Und ihr politischer Anspruch, der von einem wollmützentragenden Marxisten (Geißendörfer) streng überwacht wurde, scheint widersprüchlich und durchschaubar.

Vielleicht war dies auch der Grund, weshalb der Bayerische Rundfunk “das Ding” auf keinen Fall machen wollte und das Projekt zum linksliberalen Westdeutschen Rundfunk weglobte.

An der “Lindenstrasse” konnte man wirklich unterhaltsam mitbekommen, was in diesem Land los war. Das Angela Merkel nicht wenigstens eine Komparsenrolle bekam, grenzte deshalb an ein Wunder. Wer wirklich den Dingen auf den Grund gehen will und wissen möchte, für was dieses Land heute steht und gilt, sollte einmal nach Köln-Bocklemünd rausfahren und die Kulissenstadt der “Lindenstrasse” besichtigen. In diesem kleinen, sterilen Stück München, mitten im Rheinland, fällt beim Vergleich zu den amerikanischen Universal- oder britischen Pinewood-Studios sofort auf, worunter dieses Land am meisten leidet: an nüchterner Humorlosigkeit.

Humorlosigkeit, Ernsthaftigkeit und Pessismismus beherrschten wohl auch die Produktion. So warnte einst ein Schauspiellehrer, sich niemals dort in Köln zu bewerben. Sollte man genommen werden, würde es nur schwer gelingen, aus dieser Nummer auszuscheiden. Selbst Till Schweiger soll es nur mit intensiver Intervention Bernd Eichingers geschafft haben. Was wiederum in Köln lange für schlechte Laune gesorgt haben soll.
Ich erinnere mich jedenfalls noch sehr gut an ein Interview, welches ich Ende der Neunziger Jahre für ein Stadtmagazin mit Nadine Spruß geführt hatte. Ein Telefoninterview, das chaotischte meines Lebens. Im Hintergrund Gebrülle und Geschrei, im Vordergrund eine genervte “Walze”, die nur äußerst widerwillig meine Fragen beantwortete. Vielleicht kam sie damals einfach nicht mit der sozialdemokratischen Schulmeisterei zurecht. Nadine Spruß ist heute für die CDU Ortsbürgermeisterin im Nordrhein-Westfalen.

Die “Lindenstrasse”, das war bürgerliches Inferno, das allerdings auch viele Familien vor dem Bildschirm zu Diskussionen anregte, die sonst schwer vorstellbar waren. Das gehört zu den Verdiensten von Hans W. Geißendörfer. So ist es fraglich, wie sonst beispielsweise die überwigende Akzeptanz von Homosexualität im deutschen Bürgertum angekommen wäre.
Egal – das Produktionskonzept, bzw. deren Kosten passen nicht mehr zum Sparplan der ARD.
Die Serie wird nunmehr nach 34 Jahren eingestellt, die letzte Folge soll 2020 über den Bildschirm flimmern.

 

FOTO: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)